Augenärztlicher Einsatz im Oktober 2019

Augenheilkunde im Krankenhaus Ruli zu unterstützen und so den Menschen aus der abgelegenen, aber landschaftlich sehr reizvollen Gegend (die nur über eine Schotterstraße von der Hauptstadt Kigali zu erreichen ist), wieder zum Sehen zu verhelfen, war das primäre Ziel des Einsatzes von unserem Augenarzt im Oktober 2019.

Zu dem einwöchigen Einsatz sind aus Berlin der Augenarzt Dr. Gunther Kahle und der Optiker Jörg Eichhorst und Elzbieta Barwinska-Hohenberger angereist. Für Dr. Kahle war es bereits ein Routine-Einsatz, für die beiden Optiker ein Neuland, der erste Einsatz in Ruanda. Das Team wurde in Kigali von Schwester Carmen abgeholt und in den Krankenhauszimmern einquartiert. Bevor die Arbeit am Montag angefangen hatte, wurden schon am Sonntag sämtliche Geräte überprüft und die Ophthalmologie für die Patientenbehandlung vorbereitet, die mitgebrachten Medikamente ausgepackt. In der ganzen Woche bekamen die Berliner eine Unterstützung von der Optometristin Dativa Makumana und teilweise von einem örtlichen Übersetzer.

Jeden Tag hatte das Team ca. 20-25 Patienten behandelt, sowie diverse kleine Operationen (Laser, Hagelkörner, Flügelfell, Glaukom) durchgeführt. Bei vielen Patienten wurde der graue Star diagnostiziert. Kurioserweise kamen zwei Patienten, ein älterer Mann und ein kleines Mädchen, mit einem hinter das Auge gerutschtem  Holz-Fremdkörper unter der Bindehaut in die Praxis. Solche Fremdkörper im Auge bereiten normalerweise enorme Schmerzen. Unter einer örtlichen Betäubung konnte Dr. Kahle die beiden erfolgreich behandeln und die Fremdkörper entfernen.

Die glückliche Patientin nach überstandenem Eingriff.

Vielen Patienten konnte man mit Medikamenten helfen. Viele Sehstörungen waren keine  keine schweren Augenerkrankungen, sondern einfache Refraktionsfehler, die eine Brille benötigten. Die Patienten wurden refraktioniert. Bei mehreren jungen Menschen wurde Kurzsichtigkeit oder Hornhautverkrümmungen diagnostiziert. Zahlreiche Brillen wurden angepasst und an die Patienten übergeben.

Eine Herausforderung für die Optiker stellte die Kommunikation mit den Patienten dar. Eine richtige Sehstärkenbestimmung benötigt deutliche, mündliche Angaben des Patienten. Da die meisten Patienten weder Deutsch noch Französisch oder Englisch sprachen, waren die beiden Optiker auf die Hilfe der Übersetzer angewiesen. Trotz kurzfristiger Strom- und Wasserunterbrechungen war es ein erfolgreicher Einsatz. Das schönste „Danke schön“ waren für unser Team die zufriedenen und lächelnden Gesichter der Patienten, dafür hatte man keine Übersetzer gebraucht.

Das Highlight des Aufenthalts war ein Besuch des Waisenhauses, das auf dem Gelände des Krankenhauses vielen Kindern einen Zuhause-Ersatz bietet. Mit einem tollen Tanz- und Gesangprogramm haben die Kinder ihre Besucher überrascht und einen kleinen Einblick in die Tradition der Region ermöglicht. An einem anderen Abend haben die Berliner die örtliche Kaffeeplantage besucht und sich in die Geheimnisse des Kaffeeanbaus einweihen lassen. Am letzten Tag kurz vor der Heimreise hat das Team das Kigali Genocide Memorial Museum besucht und einen kleinen Abstecher zu dem größten Markt der Stadt in Kimironko im östlichen Teil der Stadt gemacht.

Trotz zahlreicher gewöhnungsbedürftiger Umstände in Ruli und gerade deswegen, ist der Einsatz der freiwilligen Helfer für die weitere Entwicklung des Krankenhauses eine Notwendigkeit und ein Garant der Gesundheitsgewährleistung für die örtliche Bevölkerung. Die MuZungus (Weißen) sind in dem gastfreundlichen Land und im Ruli Krankenhaus gern gesehene Gäste.

Elzbieta Barwinska-Hohenberger

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